Fuse Test: Der verwässerte Orangensaft

von

Es dauert ungefähr drei Minuten, bis der erste Helikopter in „Fuse“ abstürzt. Dutzende maskierte, identisch aussehende Männer strömen in den Raum, jemand schreit „In Deckung!“ und ich  ducke mich hinter die nächstbeste, hüfthohe Wand, um kurz darauf mit Headshots eben diese Männer nieder zu mähen. „Fuse“ ist ein weiterer Third-Person-Shooter in einem Meer von Third-Person-Shootern, der zwar nicht schlecht, aber schmerzhaft identitätslos ist.

Als Gimmick des Multiplattform-Spiels von “Resistance”- und “Ratchet & Clank”-Entwickler Insomniac Games dienen die Waffen der vier Protagonisten. Dalton Brooks spielt mit seinem tragbaren Energie-Schild den Tank, hält die Patronen und Raketen der Gegner auf, stärkt dadurch die Angriffskraft seines Schildes und feuert daraufhin eine Druckwelle in Richtung der Angreifer. Naya kann sich tarnen und erschafft mit ihrer Waffe schwarze Löcher, während Izzy die Soldaten versteinern kann und mit ihrer heilenden Granate als eine Art Medic dient. Als letzter im Bunde verfügt Jacob über eine Armbrust, die sengend heiße Bolzen verschießt und damit als Scharfschütze herhalten muss.

Hui! Schwarze Löcher, das sollte das fade Shooter-Einerlei doch ordentlich aufmöbeln, oder? Sollte man denken, in der Praxis spielt sich auch diese Waffe jedoch kaum anders, als etwa normale Sturmgewehre. Sowohl Maya als auch Izzy lösen die Spezialfähigkeiten ihrer Waffe nämlich aus, indem sie die Gegner schlicht und einfach einige Male treffen. Im Falle von Maya baut sich so nach und nach ein schwarzes Loch auf. Wie mit jedem anderen Gewehr auch ballert ihr also schlicht und einfach auf jeden Gegner, der euch vor die Flinte rennt. Ein bisschen Taktik kommt dadurch rein, dass man sowohl das schwarze Loch, als auch die Versteinerung über mehrere Feinde verteilen und aufladen kann, um so eine Kettenreaktion auszulösen.

Fuse Test: Und noch ein Cover-Shooter

Im Vergleich zur Genre-Konkurrenz spielt sich „Fuse“ wesentlich schneller – die vier Agenten können auf Knopdruck hohe Wände erklimmen, sich an ihnen entlang hangeln und die oft großen Kampfgebiete so fix und auf verschiedene Arten durchqueren.  Auch die Gegner bleiben kaum eine Sekunde an der gleichen Stelle und zwingen euch ständig dazu, neue Deckung zu suchen oder sie gleichen im Nahkampf anzugreifen. Dadurch kann sich “Fuse” zumindest ansatzweise von der im Vergleich wesentlich langsameren Genre-Konkurrenz abheben.

„Fuse“ ist ganz eindeutig auf den 4 Spieler-Coop-Modus ausgelegt, in dem ihr dann theoretisch die Fähigkeiten der verschiedenen Charaktere kombinieren und so einen Bonus an Erfahrungspunkten für jeden Kill einsacken könnt. Dann kann Dalton mit seiner Druckwelle etwa von Izzy versteinerte Gegner zertrümmern oder Jacob schießt seine Bolzen durch Daltons Schild und profitiert daraufhin von einem Punkte-Multiplikator. Spielerische Vorteile hat das jedoch kaum – stattdessen dienen diese Combos in erster Linie dazu, die Zahl der erlangten Erfahrungspunkte zu erhöhen. Selbst ohne mich auf Kombinations-Attacken zu konzentrieren hatte ich am Ende der sieben bis acht Stunden langen Kampagne jedoch 13 meiner 15 Fähigkeiten komplett aufgelevelt. Nötig ist das also kaum. Bis auf zwei Skills sind das übrigens bei allen Charakteren passive Fähigkeiten, die etwa die eigene Lebensenergie oder den Schaden von Headshots erhöhen.

Und so hat man die ganze Zeit über das Gefühl, dass da mal eine große Vision hinter „Fuse“ stand, die jedoch so lange verwässert wurde, bis sie im finalen Endprodukt nicht mehr erkennbar ist. Weder vom Humor, noch von den interessanten Persönlichkeiten aus dem ursprünglichen „Overstrike“-Trailer ist etwas übrig geblieben. Stattdessen bietet sich das Spiel nach seiner „Fuse“-Umbenennung als ernster, recht brutaler Shooter dar, in dem die Charaktere alle 90 Minuten mal einen sarkastischen One-Liner von sich geben dürfen.

Wenn meine Klon-Feinde in dem einen Moment von Daltons Schild in tausend matschige Fleisch-Stückchen zersprengt werden und ich in der nächsten Sekunde drei Meter große, bunt angemalte Flammenwerfer-Roboter bekämpfe, passt das nicht so ganz zusammen.

Insomniac versuchen mit „Fuse“ gar nicht erst, eine interessante Story zu erzählen. Zwischensequenzen gibt es fast ausschließlich in der Form von an “Modern Warfare” erinnernde Ladescreens, eine Entwicklung der Charaktere findet nicht statt. Zu Anfang des Spiels wird die gefährliche Substanz „Fuse“ gestohlen und dieser jagt ihr die nächsten acht Stunden hinterher – Ende. Erneut nimmt sich „Fuse“ dabei viel zu ernst und präsentiert eine halbherzige Vater-Tochter-Geschichte, wild gemischt mit völlig überzeichneten und in „Overstrike“ sicher einmal lustig gemeinten Bösewichten.

Die von Insomniac selbst entwickelte Engine schafft es nur in einem der sechs Level, wirklich hübsche und farbenfrohe Umgebungen auf den Bildschirm zu zaubern, ansonsten rennt ihr die meiste Zeit durch mal mehr, mal weniger bunte Korridore. Auf der Disk ist sowohl die englische, als auch die deutsche Sprachausgabe enthalten – in beiden Versionen machen die Sprecher einen guten Job.

Fazit:

Der zweiminütige, erste „Overstrike“-Trailer hat mehr Persönlichkeit und Pfeffer als „Fuse“ in seiner gesamten Spielzeit. Die vier Waffen versprechen zu Anfang eine willkommene Abwechslung, stellen sich jedoch schnell als kaum merkbare Variationen des bekannten „Baller auf alles, was dir vor die Nase läuft“-Systems.

„Fuse“ ist kein schlechtes Spiel, vergisst jedoch völlig, eigene Akzente zu setzen. In einem Genre, dass sich seit dem  2006 erschienenen „Gears of War“ kaum weiterentwickelt hat, geht Insomniacs Shooter also trotz grundsätzlich spaßiger Spielmechaniken völlig unter. Wer noch immer ein Verlangen nach neuen, simplen Cover-Shootern verspürt, der wird mit „Fuse“ seinen Spaß haben, ohne dabei groß überrascht zu werden. Alle anderen verpassen jedoch auch nichts.

Wertung

6/10
Getestet von Robin

Schade. Statt ein Spiel voller eigener Ideen mit vielen, abwechslungsreichen Waffen ist "Fuse" doch nicht mehr als einfach nur ein weiterer Gimmick-Shooter. Reicht euch das?

Leserwertung
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

39 Leser haben Fuse mit durchschnittlich 4 von 10 Punkten bewertet. Und wie gefällt's dir? Gib deine Wertung ab!


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

Anzeige
GIGA Marktplatz